Angekommen in Hervey Bay haben wir erst mal gewartet, bis um 06.00 der McDonalds aufgesperrt, um uns dort ein mehr oder weniger schmackhaftes Frühstück einzuverleiben. Danach hat uns dann so ein Typ von der 4×4-Vermietung abgeholt um uns zu dem morgendlichen Briefing für unseren 2 Tages-Self-Drive-Safari-Trip zu bringen.
Im Grunde genommen war das Ganze dann ein etwa 30-minütiges Video das uns vor all den Gefahren gewarnt hat, die auf Fraser Island so auf einen lauern. Die Bilder von hängen gebliebenen, umgestürzten und teilweise im Meer versunkenen Autos haben ihre Wirkung auch nicht verfehlt. - Außerdem soll man sich am Strand vor landenen Flugzeugen in Acht nehmen. - Mit einer Mischung aus Vorfreude und Todesangst haben wir dann den bordeauxroten Suzuki Jimny in Augenschein genommen. Die zahlreichen Dellen haben schon erahnen lassen, dass man nicht so leicht unbeschadet wieder von dieser Insel herunter kommt.
Dann haben wir noch ne Landkarte in die Hand gedrückt bekommen und ein weiteres Mal wurde betont, dass es durch das regnerische Wetter jetzt viel besser auf dem Sand zu fahren wäre, bevor wir in Richtung Fähre losgeschickt wurden. Die ersten paar Kilometer treibt einem der Linksverkehr schon ein bisschen den Angstscheiß auf die Stirn. Ich bin mir vorgekommen wie bei der praktischen Führerscheinprüfung und bin auch ungefähr so gefahren wie damals. Gott sei Dank ist in Queensland eh nicht so viel Verkehr.
Am Anlegeplatz angekommen haben wir uns als zweites Auto angestellt und mussten dann zusehen, wie sich hinter und neben uns eine ganze Horde von Landrovern, Toyota Hilux und anderen mächtigen Offroad-Gefährten platziert hat. Noch dazu haben wir dann eh erst als Letzte auf die Fähre dürfen, weil wir ja mit Abstand das leichteste Vehikel hatten. Die Überfahrt war zwar stinklangweilig, aber die Tatsache, dass wir in der ersten Reihe standen und vor uns diese Rampe in die Luft ragte, hat mich irgendwie an die Landung in der Normandie erinnert. Hat nur noch gefehlt, dass neben uns im Wasser irgendwo Granaten explodieren.
Als wir dann endlich an Land gehen konnten haben wir uns gleich mal aufgemacht die Insel zu erkunden. Das Problem bei Fraser ist neben den sandigen Pisten jedoch, dass man bei einer Fläche von 1600 km² schon recht genau wissen sollte wohin man fährt, um dann nicht irgendwo am Arsch der Welt zu landen und nie mehr zurückfindet. Wir haben uns gleich man den Lake McKenzie angesehen der mit Recht zu den Attraktionen der Insel gehört. Leider verliert das Ganze halt merklich an Reiz wenn es nur 15 Grad hat und regnet.
Die nächsten 2 Stunden haben wir für die 30 km lange Strecke Richtung Süden benötigt, bis wir dann endlich am Strand angekommen sind. Der 75 Mile Beach kommt einem fast noch länger vor als er eh schon ist, aber fürs Baden wäre er auch bei Schönwetter nicht geeignet gewesen. Soll ja nur so vor Tigerhaien und tödlichen Quallen wimmeln. Das Fahren am Strand ist im Verhältnis zu dem im Wald ja eine regelrechte Raserei - 80 km/h sind erlaubt und mehr wär glaub ich auch nicht gesund - man sollte jedoch ein wenig aufpassen wenn wieder einmal so ein unscheinbarer Wasserlauf das Ufer kreuzt. Beim ersten haben wir eh noch ganz vorbildlich per pedes überprüft wie tief das Wasser ist. Nachdem es eh nur 10 Zentimeter waren, war’s für den Jimny auf keine wirkliche Herausforderung. Beim Nächsten waren wir dann leider nicht mehr so vorsichtig und haben uns dafür entschieden diesmal nicht stehen zu bleiben, geschweige denn die Tiefe zu überprüfen. Leider hat sich das gleich mal als etwas riskant herausgestellt, als wir dann mit voller Fahrt über eine circa 30 Zentimeter hohe Sandkante in den Creek gesprungen sind. Außer einem leichten Adrenalinschub und der Repositionierung unseres Kofferrauminhalts ist aber eh nichts passiert.
Gegen 3 Uhr nachmittags haben wir uns dann daran gemacht ein lauschiges Plätzchen zum Campen zu finden. Es war auch schon höchste Zeit, weil es immer mehr zu regnen begonnen hat und uns der doch recht heftige Wind vermutlich mit samt dem von Willi und Silvia ausgeliehenen Zelt weggeweht hätte. In dem Video vom Vormittag wurden wir auch noch darauf hingewiesen, ja keine Lebensmittel im Zelt aufzubewahren weil diese die auf der Insel heimischen Dingos anlocken könnten und das dann evtl. ein Problem für uns werden könnte. Wir haben uns natürlich brav daran gehalten obwohl Eva ein wenig kritisiert hat, dass man dem Vieh keinen so lieben Namen geben sollte wenn es doch eigentlich gefährlich ist.
Nachdem es die ganze Nacht wie aus Eimern geschüttet hatte wollten wir eigentlich am nächsten Morgen noch das Wrack der Maheno und den Eli Creek in aller Ruhe besichtigen. Der Regen wurde jedoch nicht weniger und auch das wirklich sehr stürmische Meer – geschätzte 5 Meter hohe Wellen und ein ohrenbetäubendes Grollen - machte nicht gerade Hoffnung, dass sich das so schnell ändern würde. Wir haben das Ganze deshalb auf jeweils 5 Minuten im Regen stehen abgekürzt.
Das einzige Problem, dass man hat wenn man am Strand fahren will ist, das man in den Stunden vor und nach der Flut nicht fahren soll/kann. Wir haben also brav abgewartet, bis die vorgeschriebenen 2 Stunden Frist verstrichen ist. Leider hat sich der Ozean nicht so recht an den Plan gehalten und die Wellen sind noch immer über den gesamten Strand geschwappt. Wir hätten ja auch noch ein paar Stunden warten können, doch leider war da ja noch eine Fähre die wir 2 ½ Stunden später am anderen Ende der Insel erwischen sollten. Wir sind also doch recht zügig über den nur mehr aus weichem oder nassem – beides natürlich optimal hinsichtlich Traktion und Fahrzeugkontrolle – Sand bestehenden Strand gedüst. Der Monsun-artige Regen und die vielen – jetzt doch bedeutend tieferen – Wasserläufe haben auch das ihre dazu beigetragen, dass wir zwischenzeitlich nicht mehr so recht daran geglaubt haben, noch irgendwo, geschweige den rechtzeitig bei der Fähre, anzukommen.
Nach gut der Hälfte der Strecke sind wir dann – witzigerweise in mitten von recht rar gesäten Häusern – auch noch aufgesessen. Das ist halt der Nachteil wenn man mit so nem Suzuki-Spuckerl in den Spuren von ausgewachsenen Pickups und Trucks fahren muss. In dem Moment glaub ich hat sich die Eva gewünscht sie wär niemals mit einem Geländewagen und schon gar nicht mit mir als Fahrer auf diese gottverdammte Insel gekommen, doch wir sind dann eh kinderleicht wider aus dem Schlamm herausgekommen. – Ich muss an dieser Stelle auch noch erwähnen, dass am ersten Tag die Eva (unerlaubter Weise, weil ohne Führerschein) auch mal gefahren ist und sich dabei als regelrechtes 4×4-Naturtalent entpuppt hat. – Wir haben’s – wie man an der Tatsache erkennen kann, dass ich in der Lage bin euch davon zu berichten – eh noch rechtzeitig und ohne Unfall geschafft zur Fähre zu kommen.
Wieder in Hervey Bay haben wir uns dann bei einer der vielen Backpacker-Buden absetzen lassen und uns schon auf was Warmes zu essen und ne heiße Dusche gefreut. Das mit dem Essen hat bi auf die Tatsache, dass wir insgesamt ne halbe Stunde durch den strömenden Regen latschen mussten auch ganz gut geklappt. Nur das Duschen ging nicht so glatt über die Bühne. Gentleman wie ich bin hab ich natürlich der Eva den Vortritt gelassen, doch gerade als die voll einshampooniert war, war’s mit dem warmen Wasser vorbei. Mir ist so zumindest das kalte Abspülen erspart geblieben.
Eigentlich hätten wir ja gehofft, dass es am nächsten Tag zumindest ein bisschen weniger regnet, damit wir irgendwie das vollkommen nasse und mit Sand regelrecht panierte Zelt sauber und trocken bekommen. Jedes Mal wenn wir jedoch aus dem Fenster geschaut haben hat es nur noch mehr geschüttet. Wir haben dann doch noch ein kleines, halbwegs trockenes Platzerl gefunden wo wir dann zumindest den ärgsten Dreck loswerden konnten. Ich muss aber zugeben, dass, auf Grund der Tatsache, dass wir selber schon komplett nass und halb erfroren waren, uns doch manchmal die Vorstellung in den Sinn gekommen ist, dass es sich um Benzin und nicht um Wasser handelt das wir da über dem Zelt vergießen. Zumindest ist so auch noch der letzte Tag unseres regelrechten Action-Urlaubs vorübergegangen.
Am Freitag in der Früh sind wir dann wieder nach Sydney geflogen und wie sollte es auch anders sein hat sich dann auch in Queensland wider die Sonne gezeigt. Das könnte jedoch auch an der Besatzung unseres Jetstar Fluges liegen. Die bestand nämlich aus nicht weniger als 5 Stewards die allesamt – da waren Eva und ich uns einig – vom anderen Ufer waren.
Im Grunde genommen war’s eh ein ganz witziger Urlaub. Uns wär’s natürlich lieber gewesen das Wetter und die etwaige Segeltörn-Agenturen und Autovermietungen hätten mitgespielt aber wie man sieht geht’s auch mit Improvisieren.