
City2Surf
August 10, 2008Heute Vormittag – als ihr vermutlich alle seelenruhig in euren Bettchen gelegen seid – hat in Sydney eines der größten Lauf-Events der Welt stattgefunden. Nämlich der City2Surf bei dem, wie der Name schon erahnen lässt, eine Strecke vom Stadtzentrum bis zum Bondi Beach zurückzulegen ist. Die Strecke führt dabei 14 km entlang ein paar Buchten der Eastern Suburbs, hinauf zu den Dover Heights und dann wieder Richtung Süden hinunter nach Bondi. Insgesamt waren heuer über 70.000 Teilnehmer angemeldet und darunter – dreimal dürft ihr raten – natürlich auch ich.
Nachdem der Start für 9:00 Uhr angesagt war wollte ich natürlich auf keinen Fall zu spät an dem mit den Kollegen vereinbarten Treffpunkt sein. Ich war dann aber sogar der Erste und die wenigen die sich dann schlussendlich doch überwunden haben teilzunehmen sind auch nur nach und nach daher gekommen. Wir haben uns dann also brav am Start angestellt, mussten aber bald feststellen, dass das noch eine längere Angelegenheit werden dürfe. Fakt ist, dass 41 Minuten nach dem Start der erste Gruppe, der Sieger bereits im Ziel war und wir zu dem Zeitpunkt noch ca. 500 Meter von der Startlinie entfernt waren. Die dürfen wir ziemlich genau um 10:00 überquert haben und dann ging’s ja erst so richtig los.
Die ersten beiden Kilometer bin ich noch gemütlich mit meinem Chef spaziert, weil der mit seinem lädiert Knie nicht wirklich Meter machen konnte. Als wir dann an der U-Bahn-Station vorbeigekommen sind hat er sich entschlossen lieber wieder den Heimweg anzutreten. Ich hab also den Rest der Strecke alleine zurückgelegt, was mir angesichts der Tatsache, dass man sich dabei nicht am Tempo von wem anderen orientieren muss eh ganz recht war.
Ich hab dann schnell gemerkt, dass man mit ein bisschen Joggen gleich mal ein paar hundert Leute überholen kann. Deshalb hab ich, vor allem bergab, einen Zahn zugelegt und ein paar Plätze gut gemacht. Knapp vor der Hälfte der Strecke kommt man dann zum berüchtigten Heartbreak Hill und dort trennt sich dann die Spreu vom Weizen. Ich hab natürlich meine, mir als Österreicher angeborenen, alpinistischen Stärken ausgespielt und bin die 1,5 km schnurstracks hinauf marschiert. Für solche Extrawürste wie Fotografieren, Gatorade saufen und vor allem aufs Klo gehen hab ich natürlich keine Zeit gehabt. – Echt ein Wahnsinn, die Leute stellen sich schon einen Kilometer nach dem Start und auch noch eine vor dem Ziel vor den Dixie-Klos an.
Nachdem dann eh schon mehr als die Hälfte bewältigt war ging’s dann ziemlich flott dahin. Das letzte Teilstück ging’s dann auch noch bergab und nachdem ich – vor allem zu meiner eigenen Überraschung – noch ein paar Reserven hatte und mir nichts wehgetan hat hab ich im Endspurt auch noch mal ein wenig Boden gut machen können.
Was mich ein wenig anzipft ist, dass ich die Ziellinie circa um 12:02 überquert habe und ich doch ganz gerne noch am Vormittag gefinisht hätte. Das Ergebnis gibt’s erst am Dienstag, dann wird ich genaueres über meine Platzierung und meine Zeit wissen.
Mir sind beim Laufen allerdings ein paar Gefahren ins Auge gestochen, die ich hier im Sinne der allgemeinen Sicherheit erwähnen muss:
- Nach den Erfrischungsstationen muss man echt aufpassen, dass man sich nicht in den tausenden Becher verhaspelt oder ausrutscht.
- Kleine Kinder die da – manchmal nicht ganz freiwillig wie mir schien – von ihren Eltern mitgenommen werden, haben mitunter gerade ein Stadium des Wachstums erreicht, bei dem die Höhe des Kopfes ungefähr deren eines männlichen, erwachsenen Knies entspricht.
- Wenn man sich durch die gehenden Massen hindurchschummeln will sollte man aufpassen, dass der Vordermann, den man gerade gedenkt äußerst knapp zu überholen, nicht eine gefüllte Wasserflasche in der Hand hält. Die können nämlich durch das natürliche Baumeln der Arme zu einer regelrechten Bedrohung für eine andere Körperregion werden.
- Selbiges gilt für Pfosten mit einer Höhe von 80 bis 100 cm die vermutlich von sadistischen Straßenarbeitern an den unmöglichsten Plätzen aufgestellt wurden.
- Eine mir bislang unbekannte Bedrohung stellen lateinamerikanisch angehauchte Hobby-Shakiras dar. Die können sich nämlich gelegentlich dazu entscheiden, spontan ihre laufende oder gehende Fortbewegung zu unterbrechen um stattdessen den einen oder anderen Hüftschwung einzulegen. Ein Schauspiel das unter normalen Umständen ziemlich sicher auf Wohlwollen meinerseits stoßen würde, jedoch in Verbindung mit einer abschüssigen Strecke und einem erheblichen Überschusses an Geschwindigkeit und Masse zu waghalsigen Ausweichmanövern führen kann.
Ich hoffe diese Warnhinweise verhindern, dass sich einer von euch bei einem der kommenden Laufevents weh tut und denkt immer daran:
It’s all fun and games until someone loses a nut.