Am Montag mussten Eva uns ich ja schweren Herzens wieder trennen. Die zwei Wochen in denen sie da war waren einfach zu kurz, vor allem, weil es noch so viel gegeben hätten, das man sich in Australien ansehen kann. Aber trotzdem bin ich froh, dass ich ihr wenigstens ein Bisschen von Down Under zeigen konnte. Ihr Rückflug ist leider nicht ganz so problemlos abgelaufen wie wir uns das vorgestellt hätten – über die Odyssee wird glaub ich noch mal ein ganzer Gast-Post von ihr persönlich fällig – und deshalb war ich schon froh wie sie dann am Dienstag endlich gut zu hause angekommen ist.
Während dessen habe ich mich schon wieder an der Stätte meines kreativen Schaffens, sprich im Büro vor dem PC, befunden um wieder fleißig zu arbeiten. Nachdem auch mein Chef von seinem 5-wöchigen Heimaturlaub wieder da war gab’s natürlich ne Menge zu erzählen. Ich glaub ich hab an dem Tag sieben verschiedenen Leuten erzählt wie beschissen nicht das Wetter in Queensland war, aber dass es, trotz so manchen grenzwertigen Erfahrungen, ganz lustig war.
In der Arbeit hat sich natürlich eh nichts geändert, außer dass wir ne neue Sekretärin haben die noch schlechter aussieht als die vorhergehende, und so war’s natürlich auch beim Mittagessen wie immer a rechte Gaudi. Die täglichen Diskussionen über Chuck Norris vs. Bruce Lee und chinesische Geschichte basierend auf den beiden Referenzseiten zu diesem Thema (nämlich Wikipedia und Google), treiben einem vor Lachen Tränen in die Augen. Am schlimmsten war gestern der Tolga. Ich hatte erwähnt, dass mir am Vortag ein Typ über den Weg gelaufen ist, der gekleidet war wie ein typischer Manager, jedoch sicher über 2,05 groß war. Als ich ihm dann erzählt hab, dass die Asiaten die neben diesem Riesen standen ihm gerade einmal bis zum Ellbogen gereicht haben hat er gleich den James – natürlich ein Chinese – gefragt: „Are you normal in China?“ Daraufhin hat der Aaron zu lachen begonnen und hat gemeint: „We are lucky that there is no African guy in our company. Imagine Tolga asking that guy the same question. “ Ja, so geht’s bei uns zu, es geht doch immer um die Package Size.
Für den heutigen Tag hat mich der Willi gefragt ob ich ihm in seinem neune Appartement ein wenig beim renovieren helfen könnte. Er, die Silvia und natürlich auch die Lea müssen nämlich in 3 Wochen umziehen und es ist natürlich noch eine Menge zum Ab-, Auf- und Umreißen. Ich hab mich natürlich gerne zur Hilfe bereiterklärt und somit ging’s heute um 08:00 auf die Baustelle – irgendwie komisch, dass ich am Wochenende immer früher aufstehe als unter der Woche.
Dort hab ich dann gleich mal den Sepp und den Stefan kennen gelernt. Beide sind Studienkollegen vom Willi und beide wohnen nur so ca. einen Kilometer entfernt in South Bondi. Nachdem der Leo auch noch dabei war, handelte es sich also um eine fünfköpfige, österreichische Baustellentruppe in einem Vorort von Sydney. Man kann sich also vorstellen, dass da ne Menge, vor allem Bier, weitergegangen ist. Na aber im Ernst, für die Australier wär das gar nicht vorstellbar, dass die irgendsowas wie Wände streichen oder Boden verlegen selber machen. Mich hat der Kwong gleich gefragt ob ich ihm in 3 Wochen auch helfen kann. Ich glaub ich fang hier noch mein eigenes Business als Handwerker an, da würd ich vermutlich um einiges mehr verdienen.
Typisch österreichisch hat’s um 10:00 mal ne ordentliche Jause gegeben. Mit Bier, Schwarzbrot, Aufschnitt und heimischem Estragon-Senf. Herrlich sag ich euch. Ihr wisst ja gar nicht zu schätzen was es zu hause für Köstlichkeiten gibt. Danach ging’s wieder fleißig ans Arbeiten. Der Willi hat eh ein paar Fotos zum Beweis gemacht. Und der Sepp hat gleich gemeint die wird er dem Jacak schicken, und drunter schreiben, dass ich seit 2 ½ Monaten nichts anderes mache als am Bau zu hackln.
Da die Arbeit natürlich sehr kräftezehrend war hat’s zu Mittag – was ja erst so gegen 3 war – wieder deftige österreichische Hausmannskost gegeben. Schweinsbratwürstel mit Sauerkraut und dem bereits erwähnten Schwarzbrot und Senf. Ein Traum. Aber man kann sich gar nicht vorstellen was für ein Aufwand das ist, ein paar so heimische Zutaten zusammen zu tragen. Brot von ner französischen Bäckerei in Bondi, Würstel vom italienischen Metzger in Bronte, den Senf gibt’s nur bei dem und dem Geschäft usw.
Morgen wird’s am Vormittag wieder zum Badminton spielen und wenn’s sich bei mir noch ausgeht werden am Nachmittag beim Willi Wände gestrichen. Auf jeden Fall bin ich nächsten Samstag wieder dabei. Da kocht nämlich die Mutter von der Silvia und dann gibt’s entweder Schnitzel oder Schweinsbraten nach mühlviertler Bauernart. Da läuft mir heute schon das Wasser im Mund zusammen.


